POLYMER 2021

Allgemein, Projekte

Sommer 2021. In vier Versuchsaufbauten werden die Variablen neu geordnet. Analog-digital, human-animal, online-lokal, klanglich-visuell und multimedial führen wir die POLYMER – Reihe für Experimentalelektronik mit der IV e+k fort. Selbst entwickelte Instrumente, junge Kooperationen und lang gehegte Forschungsvorhaben kommen zur Anwendung und werden mit vier spezifischen Orten angereichert. Vor der Kamera oder als live Installation reagieren sie zu neuen Klang-Verbindungen. Menschen, Medien, Materialien – die stoffliche Vielfalt bleibt unbegrenzt.

Ein Polymer [poliˈmeːɐ̯] (von altgriechisch πολύ, polý ‚viel‘ und μέρος, méros ‚Teil‘) ist ein Stoff, der aus Makromolekülen besteht. Die Makromoleküle eines Stoffes sind aus einer oder mehreren konstitutionellen Struktureinheiten aufgebaut.

AUSSTELLUNG
22 – 26/09 | 14 – 18 Uhr 

Projektraum Ebertplatz

Telekinetic Dreams | Claudia Robles-Angel, Hubert Steins

Foto: Javier A. Garavaglia

Claudia Robles ist als Künstlerin für neue Medien und Klänge weltweit tätig. Ihre Arbeiten umfassen verschiedene Aspekte der visuellen und akustischen Kunst, von audiovisuellen Kompositionen fester Medien bis hin zu Performances und Installationen. Mit der Verwendung von biomedizinischen Signalen steht ihre künstlerische Arbeit in enger Beziehung zur Forschung. Claudia Robles-Angel war Artist-in-Residence an mehreren herausragenden Institutionen wie dem ZKM Karlsruhe, der KHM Köln, dem ICST – Institut für Computermusik und Tontechnologien ZHdK Zürich und ihre Arbeiten werden nicht nur auf medien- und klangbasierten Festivals und Konferenzen gezeigt, sondern auch in Gruppen- und Einzelausstellungen rund um den Globus.

Foto: Frank Meißner

Hubert Steins ist Klangkünstler und Hörfunkjournalist. Seit 1998 arbeitet er mit raumbezogenen Klanginstallationen, die auf medientheoretische und phänomenologische Themen der auditiven Wahrnehmung Bezug nehmen.
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Biodaten. Lichtinstallation. Klangstrukturen. Realtime Sonifikation von Körperdaten der Besucher*innen. Medizinische Messapparate transformieren Datenströme in elektromechanische Audiosignale. Energiequelle für ein analoges System aus Monochorden, Objekten und Projektoren. Ein audiovisuelles Theater der Körperprozesse in den Raum projiziert. Resonanz und Licht. Ein Telekinetisches Phantasma von Claudia Robles-Angel und Hubert Steins.

(c) Hubert Steins

Labor Ebertplatz _ Hackmeck | Benjamin Grau, Vincent Michalke, Philipp Lack

Benjamin Grau ist Musiker und Komponist. In seiner Musik zieht er vor allem aus dem Bereich populärer Musik Inspiration. Dabei isoliert er Klänge, Strukturen und Prozesse, die in ihm eine starke, innerliche Reaktion hervorrufen, treibt sie in Extreme und löst sie so aus ihrem ursprünglichen Kontext. Im Zusammensetzen der gewonnenen Materialien und Versatzstücke lässt er die Idiome der Popularmusik wie der zeitgenössischen Komposition hinter sich. Sein Konzertexamen im Fach elektronische Komposition bei Prof. Michael Beil an der Hochschule für Musik und Tanz Köln schloss er im September 2020 ab. Er arbeitete mit dem Countertenor Kai Wessel, Ensemble Garage, Electronic ID und Musikfabrik zusammen. Beim ACHT BRÜCKEN Kompositionswettbewerb 2019 belegte er den zweiten Preis.

Foto: Pascal Lacaille

Philipp Lack ist Elektronischer Komponist, Pianist und Sänger, und tritt in Musiktheater, Oper und Chören in Erscheinung. Das Studium der elektronischen Komposition in Köln schloss er 2018 mit dem Film „Intelligent – Lebensfroh – Handfest“ ab. Er produzierte die Musik des Animationsfilms „Mystik“, präsentierte sein Hörspiel „Gemüt Geist“ beim ACHT BRÜCKEN Festival 2017 und machte die Musik im Tanztheater „Solo+“ mit dem Freiraum Ensemble. Seit 2020 ist er Mitglied des Kompositionskollektivs Zeitklang. Philipp arbeitet gerne mit der Musikprogrammiersprache SuperCollider. Dabei fasst er Musik vordringlich als emergentes Zusammenspiel komplexer Parameter auf und genießt die Suche nach dem Punkt, an dem ein Eingreifen im Detail geboten ist.

Foto: Seulki Hwang

Vincent Michalke studierte Komposition in Hannover bei Joachim Heintz und Gordon Williamson, MA Elektronische Komposition bei Michael Beil in Köln, sowie bei Orm Finnendahl in Frankfurt. Seine Werke wurden u.a. vom Ensemble Mosaik, Ensemble Garage, Musica Assoluta und Electronic ID aufgeführt, in Spielstätten und Festivals wie den Kunstfestspielen Herrenhausen, dem Sprengelmuseum und Kunstverein in Hannover, ACHTBRÜCKEN Festival und Departure in Köln sowie dem NOW! Festival in Essen. Im Mittelpunkt seiner Werke stehen intermediale Performances, welche Verbindungen von Musik, Bewegung und Live-Elektronik erforschen.
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Fraktale. Selbstähnlichkeit. Modularität. Drei Computer verschalten sich zu einem Meta-Instrument. Eine eigenwillige algorithmische DNA von Grund auf neu entwickelt. In Arbeitsteilung werden Metadaten eingespielt und die musikalischen Parameter von einem neuen Ganzen prozessiert. Ein lebendiges, mutierendes, dezentrales Netzwerk entsteht. Optische Strukturen übersetzen sich in Klang übersetzen sich in Visualisierungen ihrer verborgenen Verschaltung. Die erste Iteration eines unabgeschlossenen Projekts. Benjamin Grau, Vincent Michalke, Philipp Lack machen Hackmeck.

Robbenzentrum Föhr _ Songs for Seals. Polyphonie für träumende Robben | Maria Wildeis, Alisa Berger

Foto: Ravi Sejk

Alisa Berger ist Medienkünstlerin und Filmemacherin. Ihre Arbeiten vermischen dokumentarische und fiktionale Erzählstrukturen, um Feedbacks verdrängter Natur, Körper und Stimmen einzufangen. Alisa studierte Film und Bildende Kunst an der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM) und der Universidad Nacional de Colombia Bogotá. 2011 gründete sie das Performance-Duo BERGERNISSEN.
Ihre Arbeiten werden weltweit auf Festivals und in Museen präsentiert, darunter das Bangkok Art & Culture Centre, das MMOMA Moskau, die New Yorker Anthology Film Archives, Videonale Bonn oder der Hartware MedienKunstVerein in Dortmund. Seit 2020 hostet Alisa die Radioshow „Tripping“ auf dublab.de und kuratiert Podcasts für Vinyl Delivery Service Tokyo und London.
Mit Maria Wildeis verbindet sie eine lange Zusammenarbeit in Kunstprojekten und als DJ. Alisa lebt in Köln und Tokio.

Foto: Anna Siggell

Maria Wildeis ist Kuratorin, Klangkünstlerin, DJ und Gründerin zeitgenössischer Off-Spaces. Sie arbeitet mit Bildhauer*innen, Musiker*innen, Performance- und Installationskünstler*innen zusammen und organisiert Experimental- und Noise-Konzerte in der St. Gertrud Kirche Köln und für 674fm. 2015 gründete sie die Tiefgarage Ebertplatz (bis 2019) in Köln, kuratierte die Digitale 2019, war künstlerische Leiterin der Galerie Setareh in Düsseldorf und leitet seit vielen Jahren einen Künstlerinnenaustausch zwischen Deutschland, Armenien und Georgien. Als DJ legt Maria für Kompakt Records, Ancient Future, in Eriwan, Armenien und Shibuya auf und ist Mitglied von female:pressure. Gegenwärtig belegt sie den Masterkurs „Transmediale Formen“ am Institut für Musik und Medien an der Robert Schumann Hochschule in Düsseldorf.
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Glitch. Seerobben. Collage. Klänge schlafender Seerobben von den Küsten Islands, Grönlands und der Arktis. Robbenzentrum Föhr, Rundumblick und Hydrophone. Im Schlaf senden Seehunde Botschaften aus Klicklauten, schnellen Glissandi, Pfeifgeräuschen und perkussiven Elementen durch das Wasser. Die nautischen Rufe werden zu einer außerweltlichen Collage komponiert. Greenscreen, Karaokemikrophon, Roland SE-02, Monotron, Xylophon, Stimme. Im Expeditionsanzug brechen Maria Wildeis und Alisa Berger zu großem Forschungsprojekt auf: Wildice-Berger and the Arctic Symphony.

Kulturbunker Mülheim _ A.001 | Tim Gorinski, Paul Faltz

Tim Gorinski studierte mediale Künste an der Kunsthochschule für Medien Köln. Seine Arbeiten beschäftigen sich unter anderem mit Rhythmik, Bild und Lichtmontage, Loops und performativen elektronischen Klangexperimenten. Tim Gorinski arbeitet als Künstler, Drummer und Produzent im Bereich der experimentellen Klangkunst und Filmmusik, sowie als Sound-Desinger. Seine Arbeiten werden international auf diversen Festivals und in Ausstellungen gezeigt, etwa im Coolidge Corner Theatre in Boston, in der Kunsthalle Düsseldorf, im Roxie Theater San Francisco, oder beim Flurstücke Festival in Münster.

Foto: Paul Faltz

Paul Faltz ist Medienkünstler und Tüftler. Zudem arbeitet er als freiberuflicher Kameramann für Spielfilm und Dokumentarfilmproduktionen.
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Effektgeräte. Eigenbau. Loop. Die erste Baureihe eines Modularsystems stellt ihre Fähigkeiten vor. DIY und AI. Ein Rasperry Pi mit Aufsteckplatine für euklidische oder Turing-Algorithmen in C# und Pure Data. Loop. Wiederholungen, zerteilt, verschoben und neu sortiert. Variable BPM in ein bis sechzehn Teilen. Acht Drehregler und vier Knöpfe transformieren die Klangeinheiten. Loop. Mit reaktivem Licht und Nebelmaschine zerstückeln die Sound-Enthusiasten Tim Gorinski und Paul Faltz Durchgangsorte.

 


 

POLYMER ist eine Veranstaltungsreihe von ON – Neue Musik Köln basierend auf einem Call der Interessenvertretung Elektronik & Klangkunst [IV e&k] gefördert durch die Stadt Köln und das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.